Steigendes Wasser, steigende Gefahr
Am 21. Februar 1999 gab die Hochwasserschutzzentrale dringende Warnungen heraus. Der Pegel des Rheins stieg unaufhaltsam. Den Behörden war klar: Es blieben nur wenige Stunden zum Handeln. Feste Mauern ließen sich in so kurzer Zeit nicht errichten. Sandsäcke waren zu langsam und unzuverlässig. Die Lösung musste stark, schnell und flexibel sein – eine Barriere, die sich innerhalb weniger Stunden aufbauen ließ und dennoch der Kraft des Flusses standhielt.
Ein Rekordeinsatz im Hochwasserschutz
Bereits am Montagmorgen schloss die Stadt einen Vertrag mit dem deutschen Vertriebspartner RS Stepanek. Noch am selben Nachmittag wurden 650 Barrierenstützen, Gitterboxen und Polyethylen-Planen in die Uferstraße geliefert. Die Kälte biss durch die Handschuhe, als 18 Männer unter Schnee und Wind gegen die Zeit arbeiteten. Nach nur fünf Stunden stand die Linie – 500 Meter mobiler Hochwasserschutz, bereit gegen die heranrückenden Wassermassen. Es war ein Rekord in Tempo und Umfang – so etwas hatte Köln noch nie erlebt.
Die Menschen hinter der Barriere
Dieser Einsatz vereinte eine außergewöhnliche Allianz: die Stadt Köln, das Technische Hilfswerk (THW) und die bürgergeführte Initiative Bürgerinitiative Hochwasser. Die Polizei sperrte Straßen, während Anwohner und Freiwillige Wache hielten. Für jene, die bereits viele Überschwemmungen erlebt hatten, bedeutete diese Barriere mehr als nur Stahl und Polyethylen-Plane – sie war ein klares Zeichen, dass sich die Stadt dem Fluss nicht länger kampflos ergeben würde.
Die Linie halten
95 Stunden lang – vom 23. bis 26. Februar – hielt die Barriere stand, mit nur minimalem Wasserdurchtritt. Dahinter lagen Häuser, Geschäfte und Büros, die sonst von schweren Schäden betroffen gewesen wären. Millionen Euro an Schäden wurden verhindert. Doch noch wichtiger: Es kehrte Hoffnung zurück. In Rodenkirchen war es das erste Mal, dass Hochwasser so entschieden aufgehalten wurde.
Vermächtnis eines historischen Hochwasserschutzes
Dieses Ereignis bewies, dass temporärer Hochwasserschutz ganze Stadtteile sichern kann – ganz ohne jahrelange Bauarbeiten. Im Gegensatz zu Sandsäcken ließ er sich schnell aufbauen, mehrfach verwenden und flexibel an das Gelände anpassen. Der Erfolg in Köln wurde zum Vorbild für ähnliche Strategien in Städten weltweit – und veränderte grundlegend, wie sich Gemeinden auf Hochwasser vorbereiten und darauf reagieren.
Köln 1999 bleibt ein Meilenstein:
- Gesicherte Länge: 500 Meter
- Aufbauzeit: 5 Stunden
- Teamgröße: 18 Personen
- Einsatzdauer: 95 Stunden
- Ergebnis: Millionen an potenziellen Schäden verhindert
Fazit
Der Winter 1999 wird nicht nur wegen des unaufhaltsamen Anstiegs des Rheins in Erinnerung bleiben, sondern auch als der Moment, in dem Köln standhielt. In einem Wettlauf gegen die Zeit kamen Technik, Koordination und Entschlossenheit zusammen – und schrieben Kölns Hochwassergeschichte neu. Aus diesem Erfolg entstand ein Vorbild für den modernen Hochwasserschutz.